Der International Club – Treffpunkt der internationalen Gemeinschaft in Peking
Wer in den 1970er- und 1980er-Jahren als Ausländer in Peking lebte, bewegte sich in einer noch überschaubaren internationalen Gemeinschaft. Einer ihrer wichtigsten Treffpunkte war der Beijing International Club in Jianguomen. Für Diplomaten, ausländische Experten und ihre Familien war er über viele Jahre ein besonderer Ort für Sport, Freizeit und gesellschaftliche Begegnungen. Auch für die junge Deutsche Schule Peking könnte der Club eine Rolle gespielt haben.
Ein Club mitten im Diplomatenviertel
Der neue International Club entstand Anfang der 1970er-Jahre an der Jianguomenwai Dajie und wurde 1972/73 eröffnet. Seine Lage war kein Zufall: In Jianguomen befanden sich zahlreiche Botschaften, Diplomatenwohnungen und Einrichtungen für Ausländer.
Der Club war dabei wesentlich mehr als ein Restaurant oder Sportverein. Der große Komplex vereinte Sport-, Freizeit-, Gastronomie- und Veranstaltungsbereiche und entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der internationalen Gemeinschaft.
Für das Peking jener Jahre war die Ausstattung bemerkenswert. Zum Club gehörten unter anderem ein 50-Meter-Schwimmbecken, fünf Tennisplätze im Freien und zwei Hallentennisplätze. Hinzu kamen Tischtennis, Bowling und Billard sowie ein Kino, Restaurants, Veranstaltungsräume und weitere Einrichtungen.
Sogar eine Bibliothek beziehungsweise ein Leseraum und ein Friseur gehörten zeitweise zum Angebot.
Schwimmen, Tennis und gesellschaftliches Leben
Gerade für ausländische Familien waren solche Möglichkeiten in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren keineswegs selbstverständlich. Der International Club bot ihnen einen Ort, an dem sie Sport treiben, essen, Freunde treffen und an Veranstaltungen teilnehmen konnten. Ein zeitgenössischer Bericht aus dem Jahr 1981 beschreibt beispielsweise das rege Leben rund um das Schwimmbecken. Ein amerikanischer China-Ratgeber von 1987 nennt den International Club ausdrücklich als eine der Pekinger Einrichtungen mit einem 50-Meter-Becken und Tennisplätzen.
Auch größere gesellschaftliche Veranstaltungen gehörten zum Clubleben. Der Veranstaltungssaal soll Platz für mehrere hundert Gäste geboten haben. Tanzabende, Empfänge und Treffen machten den Club zu einem Ort, an dem sich Menschen aus zahlreichen Ländern begegneten.

Tennis mit prominenten Gästen
Die Tennisplätze des International Club wurden sogar Teil der internationalen Diplomatiegeschichte.
George H. W. Bush spielte hier bereits während seiner Zeit als Leiter des amerikanischen Verbindungsbüros in Peking 1974/75 regelmäßig Tennis.
1984 kam es auf den Plätzen zu einer besonders ungewöhnlichen Begegnung: Der australische Premierminister Bob Hawke spielte mit dem chinesischen Vizepremier Wan Li Tennis. Zwei Jahre später, 1986, stand auch George Bush bei einem erneuten China-Besuch gemeinsam mit Wan Li auf dem Platz.
Solche Episoden zeigen, dass der International Club nicht nur Freizeitzentrum war. Er war zugleich ein Ort der informellen Begegnung zwischen Diplomatie, Politik und internationaler Gemeinschaft.
Ein außergewöhnlicher Bau seiner Zeit
Auch architektonisch war der International Club bemerkenswert. Der Anfang der 1970er-Jahre entstandene Komplex gehörte zu den repräsentativen Neubauten einer Phase, in der China seine diplomatischen Beziehungen zu zahlreichen westlichen Staaten wieder ausbaute.
Bereits 1974 besichtigte eine amerikanische Architektendelegation den Club als Beispiel zeitgenössischer chinesischer Architektur.
Die Anlage war in verschiedene Bereiche gegliedert – darunter Sport, Freizeit, Gastronomie, Kino und Schwimmbad. Historische Fotografien und Grundrisse zeigen heute, wie großzügig die Anlage für damalige Pekinger Verhältnisse gestaltet war.
Ein kleines Zentrum des internationalen Peking
Heute lässt sich nur schwer vorstellen, welche Bedeutung ein solcher Ort damals hatte. Peking war noch weit entfernt von der internationalen Metropole, die es heute ist. Ausländische Restaurants, internationale Geschäfte, Fitnessstudios, Hotels und Freizeitangebote waren nur sehr begrenzt vorhanden.
Der International Club bündelte deshalb vieles an einem Ort. Hier begegneten sich Diplomaten, Geschäftsleute, Experten, Journalisten und ihre Familien. Für viele Kinder ausländischer Familien dürfte der Club ebenfalls zum Pekinger Alltag gehört haben.
Und die Deutsche Schule?
Genau an diesem Punkt wird der International Club auch für die Geschichte der DSP interessant. Die Schule begann mit nur fünf Schülern und verfügte zunächst über kaum eigene Infrastruktur. Ihre ersten Räume befanden sich im Jianguomenwai-Diplomatencompound – also in unmittelbarer Nähe des International Club.
Aus bisherigen Erinnerungen gibt es Hinweise darauf, dass Schüler der Deutschen Schule die Sporteinrichtungen des International Club nutzten. Das wäre angesichts der Lage und der fehlenden eigenen Sportanlagen sehr naheliegend. Ein eindeutiger zeitgenössischer Beleg für einen regelmäßigen Schwimm- oder Sportunterricht der DSP im Club liegt bislang jedoch noch nicht vor.
Später nutzte die Schule auch andere Möglichkeiten für Sport und Schwimmen. Gerade in ihren ersten Jahren war sie auf die Infrastruktur der Botschaften und der internationalen Gemeinschaft angewiesen.
Der Wandel ab 1987
Auch der International Club veränderte sich mit der Öffnung Pekings. 1987 entstand die Beijing International Club Company Limited als chinesisch-ausländisches Joint Venture.
Damit begann eine neue Phase. Teile der bisherigen Freizeitflächen wurden später kommerziell genutzt oder in Büroflächen umgewandelt. Internationale Unternehmen und Organisationen zogen ein. Zu den späteren Mietern gehörten unter anderem Nokia, Kodak und die Nachrichtenagentur Associated Press.
Der Wandel des Clubs spiegelte damit auch den Wandel Pekings wider: Aus der relativ abgeschlossenen Welt der Diplomaten und ausländischen Experten der 1970er-Jahre entwickelte sich zunehmend eine internationale Wirtschaftsmetropole.
Wer erinnert sich an den International Club?
Für die Geschichte der Deutschen Schule bleiben einige Fragen offen:
Gingen Schüler der DSP tatsächlich regelmäßig im International Club schwimmen? Fand dort Sportunterricht statt? Welche Klassen nutzten die Anlage? Ging man von der Schule zu Fuß dorthin? Welche Lehrer begleiteten die Kinder? Und bis wann wurde der Club von der Schule genutzt?
Vielleicht existieren noch Fotos vom Schwimmbad, von den Tennisplätzen oder vom International Club der 1970er- und 1980er-Jahre.
Wer sich an den Club oder an den Schulsport der frühen DSP erinnert, ist herzlich eingeladen, seine Erinnerungen, Fotos und Hinweise mit uns zu teilen.
