Zwei deutsche Schulen in Peking – Ost und West in einer Stadt
Bis 1990 existierten zwei deutsche Schulen in Peking und zwei deutsche Botschaften. Nur wenige Kilometer voneinander entfernt lebten zwei deutsche Gemeinschaften in derselben chinesischen Hauptstadt, institutionell und politisch jedoch weitgehend getrennt. Während die Kinder von DDR-Diplomaten und entsandten Mitarbeitern die Botschaftsschule der DDR besuchten, entstand 1978 mit der Deutschen Schule Peking eine zweite Schule für die westdeutsche Gemeinschaft.
Zwei deutsche Schulen in Peking – zwei getrennte Welten
Die DDR unterhielt bereits seit 1949 diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China. Die Bundesrepublik nahm dagegen erst 1972 diplomatische Beziehungen mit Peking auf.
Mit der wachsenden westdeutschen Gemeinschaft entstand auch der Bedarf nach einer eigenen Schule. Am 2. Oktober 1978 nahm die Deutsche Schule Peking ihren Unterricht auf – zunächst mit fünf Schülern und einem Lehrer.
Zu diesem Zeitpunkt existierte die Botschaftsschule der DDR bereits seit Jahren. Die Kinder von Diplomaten und anderen entsandten Mitarbeitern wurden dort innerhalb des DDR-Schulsystems unterrichtet.
Damit bestanden in Peking zwei deutsche Schulen nebeneinander.
„Aus politischen Gründen keine Alternative“
Wie deutlich die Trennung noch in den 1980er-Jahren war, zeigen die Erinnerungen von Sandra Schulze.
Sie kam als sechs Monate altes Kind nach Peking. Ihre Eltern arbeiteten an der DDR-Botschaft, und ihre ersten vier Schuljahre verbrachte sie an der dortigen Botschaftsschule. Die Klassen waren klein, teilweise wurden mehrere Jahrgänge gemeinsam unterrichtet. Schulze erinnert sich an nur sechs Kinder in ihrer Klasse.
Nach der vierten Klasse waren die Möglichkeiten begrenzt. Ältere Kinder konnten auf die sowjetische Schule wechseln oder mussten für ihre weitere Schulbildung in die DDR zurückkehren.
Eine weitere deutsche Schule gab es inzwischen zwar in Peking. Ein Wechsel dorthin sei jedoch, so Schulze, „aus politischen Gründen keine Alternative“ gewesen.
Schulalltag an der DDR-Botschaft
Auch Stefanie Gebauer begann 1986 ihre Schulzeit an der Botschaftsschule der DDR. Sie besuchte dort die erste und zweite Klasse, bevor sie 1988 nach Deutschland zurückkehrte.
Noch weiter zurück reichen die Erinnerungen des späteren Journalisten und Schriftstellers Peter Sichrovsky. Sein Vater kam 1959 als Journalist nach China. Sichrovsky und sein Bruder besuchten in Peking die DDR-Schule.
Seine Erinnerungen geben Einblicke in den damaligen Schulalltag, zu dem auch Pionierorganisation und Fahnenappell gehörten.
Die Schule war klein, bestand jedoch über Jahrzehnte und damit lange vor der Gründung der westdeutschen Deutschen Schule Peking.
Kontakte zwischen Ost und West?
Während sich die institutionelle Trennung relativ gut nachvollziehen lässt, ist über die persönlichen Kontakte zwischen beiden deutschen Gemeinschaften wesentlich weniger bekannt.
Pekings internationale Gemeinschaft war damals deutlich kleiner als heute. Ost- und Westdeutsche lebten in derselben Stadt und arbeiteten als Diplomaten, Journalisten, Wissenschaftler oder Wirtschaftsvertreter.
Ob und wie häufig sich Familien privat begegneten, Kinder miteinander spielten oder Freundschaften über die politische Grenze hinweg entstanden, ist bislang kaum dokumentiert.
Gerade diese Alltagsebene ist für die Geschichte der beiden Schulen interessant: Offizielle Dokumente zeigen die politische Trennung, sagen aber wenig darüber aus, wie sie von den Menschen in Peking tatsächlich gelebt wurde.
1990 werden aus zwei Schulen eine
Mit der deutschen Wiedervereinigung endete auch die Geschichte der DDR-Botschaftsschule in Peking.
Nach historischen Darstellungen wurden ihre zuletzt etwa 25 Schülerinnen und Schüler von der Deutschen Botschaftsschule übernommen. Auch Möbel und Unterrichtsmaterialien gelangten teilweise an die andere deutsche Schule.
Damit wurden aus zwei getrennten deutschen Schulen innerhalb kurzer Zeit eine gemeinsame Schule.
Wie dieser Übergang im Schulalltag konkret verlief und wie Schüler, Eltern und Lehrer ihn wahrnahmen, ist bislang nur teilweise dokumentiert.
Ein Grundstück mit DDR-Geschichte
Eine besondere Verbindung besteht bis heute: Das Gelände, auf dem später die heutige Deutsche Botschaftsschule Peking errichtet wurde, war ursprünglich für einen Neubau der DDR-Botschaft vorgesehen.
Nach der Wiedervereinigung wurde dieses Vorhaben nicht mehr umgesetzt. Damit befindet sich die heutige Schule auf einem Grundstück, dessen Geschichte unmittelbar mit der früheren DDR-Präsenz in Peking verbunden ist.
Zeitzeugen und Dokumente gesucht
Für eine genauere Rekonstruktion dieser Geschichte sind besonders Erinnerungen aus den 1970er-, 1980er- und frühen 1990er-Jahren von Interesse.
Gesucht werden ehemalige Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrer und andere Zeitzeugen beider Schulen. Von besonderem Interesse sind persönliche Kontakte zwischen ost- und westdeutschen Familien sowie Erinnerungen an die Jahre 1989 und 1990 und an die Zusammenführung der beiden Schulgemeinschaften.
Gesucht werden außerdem Fotos, Klassenlisten, Zeugnisse, Schulbücher, Briefe, Elterninformationen und andere Dokumente aus der DDR-Botschaftsschule und der damaligen Deutschen Schule Peking.
Solche privaten Quellen könnten helfen, die bislang nur teilweise dokumentierte Geschichte der beiden deutschen Schulen in Peking genauer zu rekonstruieren.
