Die DDR-Botschaftsschule in Peking – Erinnerungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren

Die DDR-Botschaftsschule in Peking – Erinnerungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren

Lange vor der Gründung der späteren Deutschen Botschaftsschule Peking im Jahr 1978 gab es in der chinesischen Hauptstadt bereits deutschen Schulunterricht. Die DDR unterhielt für die Kinder ihrer in China eingesetzten Mitarbeiter eine eigene Botschaftsschule. Historische Fotos und Erinnerungen ehemaliger Schüler geben heute einen seltenen Einblick in diese fast vergessene Welt.

Schule im alten Gesandtschaftsviertel

In den 1960er-Jahren befand sich die DDR-Botschaft noch auf dem Gelände der früheren deutschen Gesandtschaft in der Dongjiaominxiang, dem historischen Legation Quarter unweit des Tiananmen-Platzes. Die Schule war nach den Erinnerungen eines ehemaligen Schülers im früheren Klubhaus untergebracht, der Hort in einem Anbau.

Auch die besondere Geschichte des Ortes war den Kindern durchaus bewusst. Das ehemalige Gesandtschaftsviertel war eng mit dem Boxeraufstand von 1900 verbunden. Selbst der Name des damals ermordeten deutschen Gesandten Clemens von Ketteler war den Schülern bekannt.

Bilder aus den 1960er-Jahren

Die erhaltenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen stammen aus den 1960er-Jahren und zeigen Kinder aus dem Umfeld der damaligen DDR-Botschaftsschule.

Die DDR-Botschaftsschule Peking zieht nach Sanlitun

1970 zog die DDR-Botschaft auf ihr neues Gelände in Sanlitun. Dort erhielt auch die Botschaftsschule ein neues Gebäude.

Zum Schuljahresbeginn 1971 arbeiteten an der Schule ein Schulleiter, zwei Lehrerinnen und zwei Erzieherinnen; zwei weitere Kolleginnen waren im Kindergarten beschäftigt. In den Klassen 1 und 2 wurden 17 Schüler, in den Klassen 3 und 4 weitere 15 Schüler unterrichtet.

Die Schule wurde nicht ausschließlich von DDR-Kindern besucht. Auch Kinder aus anderen sozialistischen Staaten gehörten zur Schulgemeinschaft.

Große Mauer, Sommerpalast und eine Nacht auf einem Schiff

Ein ehemaliger Schüler, der bis 1972 in Peking lebte, erinnert sich an eine für die Kinder außergewöhnliche Zeit. Schulausflüge führten zur Großen Mauer, zu den Ming-Gräbern und zum Sommerpalast. Der Internationale Kindertag am 1. Juni wurde gemeinsam gefeiert.

Der Schulsport fand teilweise auf dem Sportplatz der sowjetischen Botschaft statt, da auf dem neuen DDR-Botschaftsgelände kein ausreichend großer Sportplatz vorhanden war.

Ein besonderes Erlebnis war vermutlich 1971 eine Busfahrt an das Chinesische Meer. Dort besuchten die Kinder das DDR-Frachtschiff MS Berlin. Sie verbrachten einen Tag und eine Nacht an Bord, schliefen in den Kajüten der Schiffsoffiziere und aßen in der Offiziersmesse.

Zirkus zwischen den Funkmasten

Ebenfalls 1971 machte der Staatszirkus der DDR auf dem Weg nach Vietnam in Peking Station. Für die Schul- und Hortkinder gab es eine eigene Freiluftvorstellung.

Besonders spektakulär müssen die Hochseilartisten gewesen sein: Nach Erinnerung des ehemaligen Schülers wurde das Hochseil einfach zwischen den hohen Funkmasten der DDR-Botschaft gespannt.

Eine Lehrerin, die in Erinnerung blieb

Besonders herzlich erinnert sich der ehemalige Schüler an Renate Weigert. Sie unterrichtete Mathematik, Musik und Zeichnen, leitete den Kunst- und Bastelzirkel und half bei der Hortbetreuung.

Sie las den Kindern Bücher vor und weckte ihre Neugier auf Themen weit über den Unterricht hinaus. In ihrem Bastelzirkel entstand sogar ein kleines Radio. Damit hörten die Kinder Berichte von den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo – zu einer Zeit, in der Radio und Fernsehen für sie in Peking keineswegs selbstverständlich waren.

Zwischen deutscher und sowjetischer Schule

Mitte der 1970er-Jahre konnten Schüler wieder in den internationalen Teil der sowjetischen Schule wechseln. Da dort auf Russisch unterrichtet wurde, erhielten sie zuvor zwei Jahre zusätzlichen Russischunterricht an der DDR-Schule.

Die deutsche Schule war gleichzeitig auch bei Familien anderer sozialistischer Staaten beliebt. Die Nachfrage wurde schließlich so groß, dass DDR-Botschafter Helmut Liebermann 1977 nach Berlin berichtete, künftig könnten keine weiteren ausländischen Kinder aufgenommen werden.

In den 1970er-Jahren wechselten sich in Peking die DDR-Botschafter Gustav Hertzfeldt (1969–1973), Johann Wittik (1973–1976) und Helmut Liebermann (1976–1982) ab.

Sparmaßnahmen Ende der 1970er-Jahre

1979 geriet auch die Botschaftsschule unter finanziellen Druck. In Berlin wurde darüber nachgedacht, die Schule künftig nur noch bis zur 4. statt bis zur 6. Klasse zu führen und dadurch Personal einzusparen. Kinderkrippe und Kindergarten sollten dagegen bestehen bleiben.

Schulleiterin Weinhold berichtete im April 1979, dass im Schuljahr 1982/83 die letzten deutschen Schüler die sowjetische Schule abschließen sollten.

Damit befand sich die DDR-Botschaftsschule bereits in einer Phase des Wandels. Gleichzeitig war 1978 eine zweite deutsche Schule in Peking entstanden – die Schule, aus der die heutige Deutsche Botschaftsschule Peking hervorging.

Wer erinnert sich?

Viele Details dieser Geschichte sind noch nicht geklärt. Wer erkennt Personen auf den historischen Fotos? Wo wurden die Aufnahmen gemacht? Wer erinnert sich an Renate Weigert, die MS Berlin oder den Besuch des DDR-Staatszirkus?

Auch Fotos, Dokumente, Schulzeugnisse oder persönliche Erinnerungen aus dieser Zeit können helfen, dieses bislang wenig dokumentierte Kapitel deutscher Schulgeschichte in Peking weiter zu ergänzen.

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