Wer war Karl Dietrich Hölldobler?

Die Geschichte der heutigen Deutschen Botschaftsschule Peking begann denkbar klein: fünf Schüler, ein Lehrer und zwei Räume in einer Privatwohnung. Der Mann, der am 2. Oktober 1978 den Unterricht aufnahm, war Karl Dietrich Hölldobler, erster vermittelter Lehrer und Schulleiter der neu gegründeten Deutschen Schule Peking.

Fünf Schüler und zwei Räume

Die Gründung der Schule fiel in die Zeit der beginnenden Öffnung Chinas. Mit der wachsenden Präsenz westdeutscher Diplomaten und Unternehmen entstand auch der Bedarf an einer deutschsprachigen Schule in Peking.

Hölldobler begann am 2. Oktober 1978 mit nur fünf Schülern: vier Kindern deutscher Diplomaten und einem chilenischen Kind. Ein eigentliches Schulgebäude gab es noch nicht. Unterrichtet wurde zunächst in zwei Räumen seiner Lehrerwohnung im Diplomatencompound an der Jianguomen Wai Avenue.

Besonders anschaulich ist eine überlieferte Einzelheit aus dieser Anfangszeit: Im Wohnzimmer soll eine Kreidelinie den schulisch genutzten vom privaten Bereich getrennt haben. Sie machte für die Kinder sichtbar, wo das Klassenzimmer begann und der private Wohnbereich endete – ein kleines Detail, das den improvisierten Charakter der ersten Monate eindrucksvoll beschreibt.

Auch die Ausstattung war bescheiden. Es fehlte an Lehrbüchern, Unterrichtsmaterial und Schulmöbeln. Das Ehepaar Hölldobler hatte sogar ein Harmonium aus Deutschland mitgebracht, das für den Musikunterricht genutzt werden konnte.

Im Laufe des ersten Schuljahres wuchs die Schule. Im Auslandsschulverzeichnis von 1979 wurde die Deutsche Schule Peking bereits mit 20 Schülerinnen und Schülern aufgeführt. Inzwischen unterrichtete mit Gertrud Hölldobler auch eine zweite Lehrkraft.

Gleichzeitig entstanden erste Pläne für eigene Schulräume. Hölldoblers Zeit in Peking blieb jedoch kurz: Nach dem Schuljahr 1978/79 verließ er die Schule vertragsgemäß.

Was gesichert ist

Karl Dietrich Hölldoblers Tätigkeit als erster Lehrer und Schulleiter der Deutschen Schule Peking 1978/79 gehört zur dokumentierten Gründungsgeschichte der Schule. Bei seiner späteren Biografie beginnt dagegen eine historische Spur, die bislang nicht abschließend belegt werden konnte.

Eine bemerkenswerte biografische Spur

Nachweisbar ist ein Dietrich Hölldobler, geboren am 30. Oktober 1944, der 1968 eine umfangreiche Zulassungsarbeit für das Volksschullehramt im Fach Musik über den Orgelbau im Landkreis Ochsenfurt verfasste.

Ein Dietrich Hölldobler wurde später unter dem Namen Fjodor Hölldobler als orthodoxer Geistlicher bekannt. Er stammte aus Ochsenfurt, hatte Lehramt, Kirchenmusik und katholische Theologie studiert und prägte später die orthodoxe Gemeinde in Bischofsheim in der Rhön. Er starb am 14. November 2020.

Die Übereinstimmungen mit dem ersten Pekinger Schulleiter sind auffällig. Beide trugen den Namen Dietrich Hölldobler und waren Lehrer mit einem ausgeprägten musikalischen Hintergrund. Besonders bemerkenswert ist jedoch eine weitere Parallele: Auch die Ehefrau des späteren Fjodor Hölldobler hieß Gertrud Hölldobler und war Lehrerin.

Hinzu kommt die Musik. Aus Peking ist das mitgebrachte Harmonium überliefert; zur später dokumentierten Ausbildung Hölldoblers gehörte die Kirchenmusik. Die einzelnen Hinweise passen damit erstaunlich gut zusammen.

Zusammengenommen spricht vieles dafür, dass der erste Schulleiter der Deutschen Schule Peking und der spätere orthodoxe Geistliche Fjodor Hölldobler dieselbe Person waren. Ein unabhängiger Beleg, der den späteren Geistlichen ausdrücklich mit der Schulleitertätigkeit in Peking 1978/79 verbindet, konnte bislang jedoch nicht gefunden werden.

Die Identifizierung sollte deshalb derzeit als sehr wahrscheinlich, aber noch nicht abschließend bewiesen gelten.

Schule, Musik und vielleicht auch Kirche?

Die mögliche Identifizierung wirft noch eine weitere Frage auf. Wenn Hölldobler tatsächlich der spätere orthodoxe Geistliche war: Spielte er schon während seiner Pekinger Zeit eine Rolle im religiösen Leben der kleinen deutschsprachigen Gemeinschaft?

Bislang gibt es dafür keinen Beleg. Denkbar wäre aufgrund seines musikalischen und theologischen Hintergrunds eine Beteiligung an Gottesdiensten, Andachten oder anderen kirchlichen Aktivitäten. Das nach Peking mitgebrachte Harmonium kann dafür allerdings nicht als Beweis dienen; überliefert ist zunächst lediglich seine Verwendung im schulischen beziehungsweise musikalischen Zusammenhang.

Erinnerungen und Hinweise gesucht

Wer kannte Karl Dietrich und Gertrud Hölldobler während ihrer Zeit in Peking? Gesucht werden Fotos aus dem Schuljahr 1978/79, Erinnerungen ehemaliger Diplomatenfamilien und Hinweise auf das Leben des Ehepaars vor und nach seiner Zeit in China. Besonders interessant wären Belege, die Dietrich Hölldoblers Pekinger Tätigkeit mit der späteren Biografie von Fjodor Hölldobler verbinden.