Vom Bremer Beat-Club zum „Mister Transrapid“
Hartmut Heine war in der deutschen Gemeinschaft Pekings eine bekannte Erscheinung. Markanter Schnauzer, selbstbewusstes Auftreten und später ein gelbes Porsche Carrera Cabrio gehörten zu seinem öffentlichen Bild. Dahinter stand ein Industriemanager, der mehr als vier Jahrzehnte in China verbrachte und eng mit den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen sowie der Deutschen Schule Peking verbunden war.
Vom Beat-Club nach China
Heines beruflicher Weg begann weit entfernt von den Vorstandsetagen großer Industriekonzerne. In Bremen arbeitete er zunächst als Schichtarbeiter bei Kellogg’s. Im legendären Beat-Club war er zeitweise Kabelträger und erlebte dort internationale Musiker aus nächster Nähe – darunter Jimi Hendrix.
Nach seinem Studium zum Diplomkaufmann führte ihn sein Weg Anfang der 1980er-Jahre nach China. Dort arbeitete er unter anderem für Salzgitter Stahl, ThyssenKrupp, Siemens und die Georgsmarienhütte.
1984 war er an der Gründung der Deutschen Handelskammer in China beteiligt. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er sich zu einem gut vernetzten Vertreter der deutschen Industrie in China.
Der „Mister Transrapid“
Besonders verbunden bleibt Heines Name mit dem Transrapid in Shanghai. Als China-Chef von ThyssenKrupp war er auf deutscher Seite maßgeblich an dem Projekt beteiligt und vermittelte zwischen deutscher Industrie und chinesischen Entscheidungsträgern.
Am 31. Dezember 2002 fand die offizielle Jungfernfahrt der Magnetschwebebahn zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong statt. An Bord waren Bundeskanzler Gerhard Schröder und der chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji.
Heine galt als jemand, der Projekte mit großer Energie vorantrieb und dabei mitunter unkonventionelle Wege einschlug. Der Chinaexperte Frank Sieren bezeichnete ihn später als den eigentlichen „Mister Transrapid“.
Mehr als ein Jahrzehnt für die Deutsche Schule
Auch für die Deutsche Schule Peking spielte Heine eine wichtige Rolle. Mehr als ein Jahrzehnt gehörte er ihrem Vorstand an – gerade während einer Phase, in der die Schule stark wuchs und der Neubau des heutigen Schulgebäudes vorbereitet und umgesetzt wurde.
Seine Kontakte zur deutschen Wirtschaft und seine Erfahrung im Umgang mit chinesischen Partnern waren in dieser Zeit von besonderem Wert.
Sein Engagement beschränkte sich nicht auf die Vorstandsarbeit. Wer heute die Deutsche Botschaftsschule Peking betritt, findet im Eingangsbereich eine große Plakette mit den Namen von Unternehmen und Privatpersonen, die den Neubau durch Spenden unterstützten.
Darunter stehen auch die Namen Hartmut und Peggy Heine. Das Ehepaar unterstützte den Neubau damit auch privat.
Ein bekanntes Gesicht der deutschen Gemeinschaft
Heine war über seine berufliche Tätigkeit hinaus in der deutschsprachigen Gemeinschaft Pekings präsent. Sein Schnauzer wurde zu einem Markenzeichen, ebenso sein gelbes Porsche Carrera Cabrio.
Über Jahre organisierte er ein Grünkohl-und-Pinkel-Essen und holte dafür sogar das norddeutsche Duo Klaus und Klaus nach China. Zu seinen bevorzugten Treffpunkten gehörte „Schindlers Anlegestelle“ hinter der Deutschen Botschaft.
Diese Aktivitäten machten ihn auch außerhalb der Wirtschaft zu einer bekannten Persönlichkeit im damaligen deutschen Peking.


Rock ’n’ Roll und Kunst
Eine ungewöhnliche Erinnerung an Heine hinterließ der amerikanische Künstler, Autor und Gitarrist Kent M. Niepert.
2018 schuf er ein Gemälde, das Hartmut Heine gemeinsam mit Charlie Watts, dem Schlagzeuger der Rolling Stones, zeigt. Das Bild stellte damit auch eine Verbindung zu Heines früher Begeisterung für die Musikszene und seiner Zeit im Bremer Beat-Club her.
Nach Heines Tod erinnerte Niepert während einer Gedenkveranstaltung in Peking per Video an seinen Freund.
Die Idee eines „Transrapid 2.0“
Auch in späteren Jahren beschäftigte sich Heine mit neuen Verkehrstechnologien. Zuletzt arbeitete er in China für das niederländische Unternehmen Hardt, das Hyperloop-Systeme entwickelt.
Er hoffte dabei erneut auf eine europäisch-chinesische Zusammenarbeit und sah in der Technologie eine mögliche Fortsetzung jener Entwicklung, an der er bereits beim Transrapid beteiligt gewesen war.
Auch nach vier Jahrzehnten in China blieb Heine damit beruflich auf zukünftige Projekte ausgerichtet.
Hartmut Heine und die DSP
Hartmut Heine starb am 4. Dezember 2022 im Alter von 68 Jahren in Peking an einem Herzinfarkt.
Seine Biografie ist eng mit einer Phase verbunden, in der sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China stark entwickelten. Der Transrapid in Shanghai wurde zum bekanntesten Projekt seiner beruflichen Laufbahn.
Für die Geschichte der Deutschen Schule Peking ist jedoch ein anderer Teil seiner Biografie besonders interessant: seine mehr als zehnjährige Mitarbeit im Schulvorstand und seine Unterstützung des Schulneubaus.
Die Spenderplakette im Eingangsbereich der heutigen DSP erinnert bis heute an dieses Engagement.
Weitere Recherchen und Quellen
Frank Sieren / China.Table – „Es war nie einfach in China Geschäfte zu machen“ (19. Juli 2021)
Ausführliches Interview mit Hartmut Heine über mehr als 40 Jahre in China, den Transrapid in Shanghai und seine späteren Hyperloop-Pläne. Der Beitrag dokumentiert auch seine Tätigkeit für verschiedene deutsche Industrieunternehmen sowie sein langjähriges Engagement im Vorstand der Deutschen Schule.
→ Interview bei China.Table lesen
China.Table – „Nachruf: Hartmut Heine“ (10. Januar 2023)
Nachruf auf Heine und seine Rolle in den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen, insbesondere bei der Realisierung des Transrapid in Shanghai.
→ Nachruf bei China.Table lesen
Frank Sieren – „In China zu Hause“
Das Gespräch mit Hartmut Heine wurde auch in Frank Sierens Buchprojekt über Deutsche in China aufgenommen. Eine Leseprobe enthält das Interview und biografische Angaben.
Der Tagesspiegel – Transrapid in China (2. September 2002)
Ein zeitgenössischer Bericht über das deutsch-chinesische Transrapid-Projekt zitiert Hartmut Heine in seiner damaligen Funktion als China-Chef von ThyssenKrupp.
→ Artikel beim Tagesspiegel lesen
Erinnerungen an Hartmut Heine
Wer Hartmut Heine aus seiner Zeit an der Deutschen Schule Peking kannte, mit ihm im Schulvorstand zusammenarbeitete oder Fotos und Unterlagen aus dieser Zeit besitzt, kann helfen, sein Engagement für die DSP genauer zu dokumentieren.
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