Die Teekanne, die nie gebaut wurde

Die Teekanne, die nie auf dem Schulhof stand

Eine chinesische Teekanne mit Kuckuck, ein sechs Meter hoher spiegelnder Flügel, eine auf ihrer Spitze balancierende Pyramide oder ein chinesischer Gelehrtenstein: Im Jahr 2002 hätte der Schulhof der Deutschen Botschaftsschule Peking ein außergewöhnliches Kunstwerk bekommen können. Im Frühjahr 2002 schrieb das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) für den neuen Schulcampus einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb aus. Für die Realisierung einer Skulptur auf dem zentralen Schulhof standen 75.000 Euro zur Verfügung. Sechs künstlerische Positionen wurden eingeladen, fünf Entwürfe schließlich eingereicht.

Fünf Ideen für den Schulhof

Die eingereichten Arbeiten verfolgten sehr unterschiedliche Ansätze.

Bertl Bruun aus Hamburg schlug einen großen, in China gebrochenen Naturstein vor. Der Entwurf griff die chinesische Tradition der Gelehrtensteine auf und setzte der geometrischen Architektur der Schule bewusst ein Naturmotiv entgegen.

Der in Peking arbeitende Künstler Wang Shugang plante eine große Pyramide, die auf ihrer Spitze balancieren sollte. Auf einer der angehobenen Seiten war die bronzene Figur eines Schülers vorgesehen, der die Konstruktion scheinbar im Gleichgewicht hielt.

Li Liang aus Peking entwarf einen etwa sechs Meter hohen spiegelnden Flügel, umgeben von einer künstlichen Berglandschaft, die auf traditionelle chinesische Gartenanlagen Bezug nahm.

Die Berliner Künstlerin Marina Schreiber präsentierte unter dem Titel „Der Gedanke“ eine fast drei Meter hohe hellblaue organische Figur. Ihre Farbigkeit sollte einen deutlichen Kontrast zur Architektur des Schulgebäudes schaffen.

Der fünfte Entwurf kam von der Berliner Künstlergruppe inges idee – und gewann schließlich den Wettbewerb.

Eine chinesische Teekanne mit deutschem Kuckuck

Unter dem Titel „Kuckuck“ schlug inges idee eine monumentale chinesische Teekanne vor, die gleichzeitig als überdimensionale Kuckucksuhr funktionieren sollte. In regelmäßigen Abständen sollte sich der Deckel öffnen und ein Kuckuck erscheinen.

Der Entwurf verband zwei bekannte kulturelle Motive: chinesische Teekultur und deutsche Kuckucksuhr. Auf dem Schulhof einer Deutschen Auslandsschule in China sollten damit beide Bezüge in einem Kunstwerk zusammengeführt werden.

Am 11. April 2002 entschied ein siebenköpfiges Preisgericht in Berlin über die Entwürfe.

Als Fachpreisrichter gehörten ihm Wilfried Wang, Stefanie Endlich, Annette Sauermann und Josef Nadj an. Sachpreisrichter waren Meinhard von Gerkan, Florian Mausbach und der damalige Schulleiter der DSP, Siegfried Meschede.

Der Entwurf wurde in der Jury durchaus kontrovers diskutiert. Am Ende sprach sich das Preisgericht dennoch einstimmig für die Realisierung von „Kuckuck“ aus.

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Der Sieger, der nie gebaut wurde

Auf dem Schulhof der DSP stand die Teekanne trotzdem nie.

Eine spätere Dokumentation des Bundes führt die „Teekannenkuckucksuhr, 2002“ ausdrücklich als „nicht realisiert“ auf.

Bereits während des Wettbewerbs waren mögliche Probleme diskutiert worden. Der Überraschungseffekt des Kuckucks könne sich mit der Zeit abnutzen, das Werk möglicherweise als kitschig wahrgenommen werden und auch technische Folgekosten spielten eine Rolle.

2007 erinnerte sich der damalige BBR-Präsident und Juryteilnehmer Florian Mausbach gegenüber dem Tagesspiegel an den Wettbewerb. Seiner Darstellung zufolge gab es nach der Entscheidung auch auf Ministeriumsebene Widerstand. Dort sei die Teekannenkuckucksuhr als „Kitsch“ beurteilt worden.

Bemerkenswert ist der Ablauf dennoch: Das Preisgericht hatte sich einstimmig für die Ausführung ausgesprochen, realisiert wurde der Siegerentwurf anschließend trotzdem nicht.

Wer letztlich die entscheidende Absage erteilte und welche Rolle Bundesamt, Ministerium und Schule dabei spielten, lässt sich anhand der bislang bekannten Unterlagen nicht abschließend rekonstruieren.

Was wäre, wenn?

Wäre die Entscheidung 2002 anders gefallen, würde möglicherweise noch heute eine riesige chinesische Teekanne auf dem Schulhof der DSP stehen, aus deren Deckel regelmäßig ein Kuckuck erscheint.

Stattdessen existiert „Kuckuck“ nur in Entwürfen, Modellen und Visualisierungen.

Der Wettbewerb bleibt dennoch ein ungewöhnliches Kapitel der Schulgeschichte. Fünf künstlerische Positionen entwickelten sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, welche Kunst zu einer Deutschen Schule in China passen könnte.

Weitere Recherchen und Quellen

„A Foreign Affair – Ein Kunstwettbewerb für die Deutsche Schule in Peking“
Der Beitrag in kunststadt stadtkunst, Nr. 50, dokumentiert die fünf eingereichten Arbeiten, das Preisgericht und das Wettbewerbsverfahren.

inges idee – „Kuckuck – Deutsche Schule Peking, 2002“
Im Projektarchiv der Künstlergruppe ist der Siegerentwurf mit Modellen und Visualisierungen dokumentiert.

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung – „Bau und Raum / Buildings and Regions 2002/2003“
Das Jahrbuch enthält ebenfalls Material zur geplanten Teekannenkuckucksuhr für die Deutsche Schule Peking.

Der Tagesspiegel – „Pech für die Teekannenkuckucksuhr“ (2007)
Der spätere Bericht greift die gescheiterte Realisierung auf und enthält die Erinnerungen des damaligen BBR-Präsidenten und Jurymitglieds Florian Mausbach.

Wer erinnert sich an den Wettbewerb?

Wer den Wettbewerb 2002 an der DSP erlebt hat oder noch Fotos, Jahrbücher, Unterlagen oder persönliche Erinnerungen an die damalige Diskussion besitzt, kann helfen, diese Episode der Schulgeschichte genauer zu dokumentieren.

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