Wie die Kühe auf den Schulhof der DSP kamen
Sechs bunt bemalte Kühe gehören seit mehr als zwei Jahrzehnten zum Bild der Deutschen Botschaftsschule Peking. Ihre Geschichte führt von einer ungewöhnlichen Kunstaktion in Zürich über die Schweizer Botschaft bis auf den Schulhof der DSP.
Eine Schweizer Idee geht um die Welt
1998 verwandelte sich Zürich für einen Sommer in eine riesige Freiluftausstellung. Hunderte lebensgroße weiße Kuhskulpturen wurden von Künstlerinnen und Künstlern, Unternehmen und auch Schulklassen individuell gestaltet und anschließend im öffentlichen Raum aufgestellt.
Die Aktion wurde ein großer Erfolg. Bereits 1999 übernahm Chicago die Idee unter dem Namen „Cows on Parade“, 2000 folgte New York mit rund 500 Kühen. Aus der Zürcher Kunstaktion war innerhalb weniger Jahre die internationale CowParade geworden.
Die Kuh diente dabei als eine Art dreidimensionale Leinwand: Alle erhielten den gleichen weißen Rohling, aus dem durch Bemalung und Umbauten völlig unterschiedliche Kunstwerke entstanden.
Schweizer Kühe in Peking
Im Jahr 2000 erreichten die Kunstkühe auch Peking. Das Jahr hatte für die Schweiz und China eine besondere Bedeutung: Beide Länder feierten das 50-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen.
Am 15. März 2000 eröffnete der damalige Schweizer Botschafter Dominique Dreyer im Swissôtel Beijing das Jubiläumsjahr. Ein zeitgenössischer Bericht der Swiss-Chinese Chamber of Commerce trägt den passenden Titel „50 Years Switzerland and China: Cows and Goodwill“.
Bei der Veranstaltung wurden auch Kunstkühe präsentiert. Eine davon hatte der bekannte chinesische Künstler Fang Lijun gestaltet. Sie besaß ein rotes, beinahe menschliches Gesicht und keine Hörner. Eine weitere Kuh stammte vom Schweizer Künstler Ludwig Stocker und war unter anderem mit Uhren, Flügeln und sogar einem Fernseher versehen. Die Kühe waren damit Teil der schweizerischen Kulturpräsentation im Peking des Jahres 2000.



Sechs Kühe kommen an die DSP
Hier kreuzen sich die Geschichte der CowParade und die Geschichte der Deutschen Botschaftsschule Peking.
Nach Angaben der DSP gelangten insgesamt 13 Kühe zur Schweizer Botschaft in Peking. Im Schuljahr 2000/01 überließ die Botschaft sechs davon der Deutschen Schule.
Wie genau die 13 Kühe nach Peking kamen und ob sie unmittelbar zu den Jubiläumsveranstaltungen des Jahres 2000 gehörten, ist bislang nicht vollständig geklärt. Der zeitliche Zusammenhang ist jedoch auffällig.
An der DSP begann für die sechs weißen Figuren ein neues Leben. Im Rahmen einer Kunst-AG wurden sie mit Acrylfarben gestaltet. Damit griff die Schule genau die ursprüngliche Idee der Zürcher Aktion auf: Aus identischen weißen Figuren entstanden individuelle Kunstwerke.
Die großen CowParade-Ausstellungen verschwanden nach einigen Monaten wieder aus den Straßen von Zürich, Chicago und New York. Die sechs Pekinger Kühe dagegen blieben – und wurden mit den Jahren selbst zu einem kleinen Stück Schulgeschichte.
Wer erinnert sich an die sechs Kühe?
Über die ersten Jahre der Kühe an der DSP wissen wir bislang erstaunlich wenig.
Wer war 2000/01 dabei? Wer leitete die Kunst-AG? Welche Schülerinnen und Schüler haben die Kühe gestaltet? Hatten die sechs Figuren Namen?
Gesucht werden außerdem Fotos von der Ankunft oder Bemalung der Kühe sowie Programme, Zeitungsartikel und persönliche Erinnerungen.
Auch die Geschichte der ursprünglich 13 Kühe der Schweizer Botschaft ist noch nicht vollständig geklärt. Was geschah mit den übrigen sieben?
Vielleicht befindet sich in einem alten Fotoalbum noch ein Bild, das ein weiteres Stück dieser ungewöhnlichen Geschichte erklärt.
Wer etwas über die Kühe weiß oder Fotos besitzt, darf sich sehr gerne melden.
Quellen und weiterführende Links
Swiss-Chinese Chamber of Commerce – „50 Years Switzerland and China: Cows and Goodwill“ (2000)
Zeitgenössischer Bericht über das Jubiläumsjahr und die Kunstkühe von Fang Lijun und Ludwig Stocker.
https://www.sinoptic.ch/textes/publications/SCCC/2000/2000_02.4072.pdf
New York City – CowParade New York 2000
Zeitgenössische Informationen zur New Yorker CowParade und ihrer Vorgeschichte.
https://www.nyc.gov/html/om/html/99b/pr437-99.html
DIE ZEIT – „Magnet“, 10. August 2000
Zeitgenössischer deutscher Bericht über das internationale CowParade-Phänomen.
https://www.zeit.de/2000/33/Magnet
CowParade – Geschichte und Hintergrund
Über die Zürcher Aktion von 1998 und die internationale Entwicklung der CowParade.
https://de.wikipedia.org/wiki/CowParade
