Die DSP in einer Stadt im Ausnahmezustand

SARS 2003: Als die DSP im Ausnahmezustand wieder öffnete

Im Frühjahr 2003 befand sich Peking wegen der SARS-Epidemie im Ausnahmezustand. Schulen und zahlreiche öffentliche Einrichtungen waren geschlossen, Straßen teilweise menschenleer und auch viele ausländische Familien überlegten, die Stadt vorübergehend zu verlassen. Für die Deutsche Botschaftsschule Peking bedeutete die Krise zunächst die Schließung – und kurz darauf einen ungewöhnlichen Neustart.

Peking kommt zum Stillstand

Am 23. April 2003 ordneten die Pekinger Behörden die Schließung der Schulen an. Auch für die rund 300 Schüler und Kindergartenkinder der DSP war damit ein normaler Schulbetrieb nicht mehr möglich.

Wie die Situation in der Stadt aussah, schilderte Spiegel-Korrespondent Andreas Lorenz am 27. April. Neben Schulen und Universitäten mussten inzwischen auch Theater, Kinos, Bibliotheken, Internetcafés und Karaokebars schließen. Viele Straßen der Millionenmetropole waren nahezu menschenleer.

Hotels und Restaurants hatten kaum noch Gäste, Touristen blieben aus und zahlreiche Menschen verließen ihre Wohnungen nur noch, wenn es notwendig war.

Auch innerhalb der internationalen Gemeinschaft wurde diskutiert, ob Familien Peking verlassen sollten. Einige Unternehmen schickten Angehörige ihrer Mitarbeiter vorübergehend ins Ausland.

Die DSP als Informationszentrum

In dieser Situation übernahm die Deutsche Botschaftsschule auch eine wichtige Informationsfunktion.

Am 28. April fand in der Schule eine Informationsveranstaltung mit dem Arzt der Deutschen Botschaft, Dr. Volker Klinnert, statt. Eltern, Geschäftsleute, Diplomaten, Journalisten und ihre Familien informierten sich dort über die SARS-Situation.

Verlässliche Informationen waren zu diesem Zeitpunkt besonders wichtig. Die chinesischen Behörden hatten das Ausmaß der Epidemie zunächst heruntergespielt, gleichzeitig kursierten zahlreiche Gerüchte.

Auch innerhalb der deutschen Gemeinschaft wurde offenbar darüber spekuliert, ob die Deutsche Schule nach den Ferien überhaupt wieder öffnen würde. Die Schule stellte klar, dass eine dauerhafte Schließung nicht vorgesehen war.

Wiedereröffnung am 5. Mai

Nur wenige Tage später nahm die DSP den Unterricht wieder auf.

Am 5. Mai 2003 öffnete die Schule erneut – während die chinesischen Schulen Pekings weiterhin geschlossen waren.

Von einem normalen Schulbetrieb konnte allerdings keine Rede sein. Vor Unterrichtsbeginn wurde bei den Kindern die Körpertemperatur gemessen. Beim Betreten der Schule mussten sie ihre Hände desinfizieren und über eine Desinfektionsmatte gehen.

Was viele Jahre später während der Corona-Pandemie selbstverständlich erscheinen sollte, war 2003 für Schüler, Eltern und Lehrer eine neue Erfahrung.

Eine ungewöhnliche Entscheidung

Der zeitgenössische Spiegel-Bericht verdeutlicht, unter welchen Bedingungen die Wiedereröffnung stattfand. Ende April wurden allein in Peking bereits 1.114 SARS-Patienten gemeldet. Reisende mussten am Flughafen Gesundheitsformulare ausfüllen und Angaben zu Fieber, Atemnot und Husten machen.

In dieser Situation versuchte die Deutsche Botschaftsschule, unter kontrollierten Bedingungen wieder einen regulären Schulalltag zu ermöglichen.

Die SARS-Krise stellte die Schule damit vor Aufgaben, die weit über den Unterricht hinausgingen: Eltern mussten informiert, medizinische Empfehlungen umgesetzt und Schutzmaßnahmen für Schüler und Mitarbeiter organisiert werden.

Eine Erfahrung, die sich 2020 wiederholte

17 Jahre später gehörten während der Corona-Pandemie erneut Schulschließungen, Temperaturkontrollen, Desinfektionsmittel und verunsicherte Familien zum Alltag.

Für die Deutsche Botschaftsschule Peking waren solche Maßnahmen jedoch nicht völlig neu. Bereits während der SARS-Epidemie 2003 hatte die Schule Erfahrungen mit einem Schulbetrieb unter den Bedingungen einer Epidemie gesammelt.

Weitere Recherchen und Quellen

Der Spiegel – „Geisterstadt im Schatten der Seuche“, 27. April 2003
Andreas Lorenz berichtet aus Peking über Schulschließungen, die nahezu menschenleere Stadt und die Auswirkungen der SARS-Epidemie auf das öffentliche Leben.
Artikel bei DER SPIEGEL lesen

Schulchronik der Deutschen Botschaftsschule Peking
Grundlage für die Angaben zur Schließung der Schule, zur Informationsveranstaltung mit Dr. Volker Klinnert, zur Wiedereröffnung am 5. Mai 2003 sowie zu den Schutzmaßnahmen beim Betreten der Schule.

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